Samstag 22 Juli 2017

Ju-Jutsu

 

Die Ursprünge des modernen Ju-Jutsu reichen sehr weit in die japanische Geschichte zurück. Einen gewaltigen Entwicklungsschub machte Ju-Jutsu im 12. Jahrhundert mit dem Aufstieg der Samuraikrieger, die neben Waffentechniken wie Ken-Jutsu (Schwertkampf), Kyu-Jutsu (Bogenschießen) und Bo-Jutsu (Stockkampf) auch waffenlose Kampftechniken für den Zweikampf Mann gegen Mann vorantrieben. In einer Ausseinandersetzung konnte es immer mal passieren, dass man keine gebrauchsfähige Waffe zur Hand hatte und sich trotzdem seiner Haut erwehren musste, um zu überleben.

Auch wenn sich die Zeiten seit dem 12. Jahrhundert geändert haben, gibt es auch heute noch ein natürliches Bedürfnis nach Schutz. Niemand möchte einem Angreifer hilflos gegenüber stehen, und passieren kann das leider jedem. Eine Waffe zum Selbstschutz mit sich zu führen, ist heute nicht mehr an der Tagesordnung, und selbst diese würde ein Sicherheitsrisiko bedeuten, wenn der Verteidiger sie nicht sicher beherrscht.

Darum stehen gerade in der heutigen Zeit waffenlose Selbstverteidigungstechniken hoch im Kurs, nicht nur bei der Polizei, dem Grenzschutz und der Security. Mit der eigenen Wehrhaftigkeit steigt zugleich das Selbstbewusstsein und das Selbsteinschätzungsvermögen, so dass viele Konflikte gar nicht erst eskalieren. Gelassenheit und Aufmerksamkeit in Gefahrensituationen sind oft entscheidend über deren Ausgang.

Das moderne Ju-Jutsu, wie es bei uns geschult wird, beeinhaltet eine Vielzahl von Techniken verschiedenster Kampfstile. Manch einer ist verwundert, was Boxhandschuhe bei einer japanischen Kampfsportart zu suchen haben. Boxen zählt ebenso zu den effektiven Selbstverteidigungstechniken wie andere auch! Auch wenn der Ursprung von Ju-Jutsu im Japan zu finden ist, so hat es sich doch im Laufe der Jahre in fast jede Richtung weiter entwickelt. Alles, was für die Selbstverteidigung hilfreich und effektiv war, wurde aufgenommen. Ob das nun Hebel und Würfe aus dem Judo waren, Blocktechniken aus dem Karate, Tritte aus dem Taekwondo oder Haltetechniken aus dem Vale Tudo.

Ju-Jutsu ist ständig im Begriff, erweitert und verbessert zu werden. Es unterliegt nicht dem "Do" der anderen japanischen Kampftechniken, einem "Weg", dem es zu folgen gilt. Ju-Jutsu ist eine "Kunst", die durch den Sportler geprägt wird. Besondere Effektivität erreichen gerade die Techniken, mit denen der Angreifer am wenigsten rechnet.

Anders als bei jeder anderen Kampfsportart gibt es beim Ju-Jutsu keine "verbotenen" Techniken - selbst Angriffe auf den Kehlkopf, die Genitalien und die Augen sind erlaubt. Es handelt sich beim Ju-Jutsu ja ganz klar um eine Selbstverteidigung, die im Notfall das eigene Leben und das der Schutzbefohlenen schützen soll! Es ist natürlich klar, dass wir im Training und im Wettkampf verbindliche Regeln festlegen und behutsam mit einander umgehen, denn es soll ja keiner zu Schaden kommen.

 

 

Video: Ju-Jutsu (DJJV) - Effektive Selbstverteidigung

Anders als manch anderer Sportart haftet Ju-Jutsu kein "Makel" an. Es ist keine Sportart der Unter- oder Oberschicht, gilt weder als primitiv noch als elitär. Es wird von jung und alt, groß und klein, Mann und Frau praktiziert.